Ogai Mori

Japan öffnete sich Ende des 19. Jahrhunderts dem Westen, begabte Studenten wurden nach Europa gesandt, um das Wissen die westlichen Universitäten für Japan zu erschließen.
So kam der junge Medizinstudent Mori Ogai 1884 als Leutnant der Japanischen Armee aus Tokio nach Deutschland, um die deutsche Militärhygiene und das Militärgesundheitswesen zu untersuchen.

Sein erster Studienort war die Universität in Leipzig, von wo aus er 1885 an einem Herbstmanöver des 12.sächsischen Armeekorps im Gebiet des jetzigen Muldentalkreises teilnahm.
Da die Offiziere dieser Manöver in den umliegenden Schlössern untergebracht wurden, betrat er am 5. September 1885 das Rittergut Döben. In seinem Deutschlandtagebuch beschreibt er die Eindrücke, die das Schloss und die dort ansässigen Familie v. Böhlau auf ihn machten in kurzen Worten: „Unser Döbener Quartier ist ein altes Schloss am östlichen Ufer der Mulde… Der Schlossherr von Bülow ( hier hat der den Namen falsch notiert) ist ein älterer Herr von 60 Jahren. Er bat uns darum, unseren Namen in sein Gästebuch einzutragen. Dann ließ er seine sechs Töchter holen und die Gäste begrüßen. Maria (Mimi) ist von außergewöhnlicher Schönheit. Ida hat bildhübsche Augen. Ein Mädchen ist dabei, über dessen Stirn schwebt stets ein Hauch von Traurigkeit. Ihren Namen habe ich vergessen. Toni ist sehr schlank und hat große Augen. Anna hat eine kleine Nase und eine hervorspringende Stirn und Helene einen krummen Rücken. …“
Diese Begegnung und die Eindrücke aus dem Landschaftspark in Machern, nicht weit entfernt von Döben, verarbeitet er später- nach Japan zurückgekehrt- zu einer seiner berühmten Novellen „Fumizukai“- „Der Bote“.
Seine Studien hatten ihn von Leipzig über Dresden nach München und Berlin geführt, wo er unter anderen bei Max von Pettenkofer und Robert Koch studierte.
1888 kehrte er nach Japan zurück und erneuerte die Militärmedizin von Grund auf, bekleidete hohe Staatsämter, übersetzte als Erster Schiller und Goethe ins Japanische und hinterließ eine große Menge eigener Schriften. Damit begründete er die Modernisierung der japanischen Literatur ja, er wird heute als einer der bedeutendsten Schriftsteller der modernen japanischen Literatur angesehen.

burgdoeben

Burg Döben nach einer Lithographie aus G.A. Poenicke, 1855
vor dem Brand 1857